Schaut man sich die Einwohnerstatistik von Gelsenkirchen an, dann stellt man fest, dass Gelsenkirchen im Jahr 2012 die niedrigste Einwohnerzahl hat. Lt. STATISTA.com betrug 2012 die Einwohnerzahl 257.607. Allerdings gibt es verschiedene Statistiken.
Lt. DATACOMMONS.org betrug die Einwohnerzahl schon 260,654 am 30.9.2019. Die genannten Zahlen stammen von WIKIDATA.com
Lt. STATISTA.com waren es Ende 2019 nur 259.645
Lt GELSENKIRCHENER-GESCHICHTEN.de betrug am 30. Juni 2020 die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Gelsenkirchen nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 258.968 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Lt STATISTA.com betrug die Einwohnerzahl 2020 am Ende des Jahres 259.105.
Die Zahlen weichen also regelmäßig etwas ab.
Am 14.12.2022 berichtet der FOCUS über Gelsenkirchen, die ärmste Stadt Deutschlands. Demnach sollen 2022 in der ärmsten Stadt in Deutschland inzwischen wieder 295.000 Einwohner leben. Die Einwohnerzahl soll demnach seit 2012 um ca. 37.400 gewachsen sein, also um ca 15 %. Vielleicht ist die im FOCUS genannte Einwohnerzahl für das 2022 etwas zu hoch, aber sicher ist, dass die Einwohnerzahl heute größer ist, als 2012, die Stadt wächst demnach wieder. Ein gutes Zeichen, oder das Gegenteil?
Das Problem ist, dass eine Studie bereits vor Jahren festgestellt hatte, dass immer mehr Deutsche die Stadt verlassen, und hauptsächlich Ausländer oder zumindest Menschen mit einem Migrationshintergrund in die Stadt ziehen. Das kann man auch an der Entwicklung der Wahlberechtigten erkennen, die jedes Jahr weiter zurückgeht.
Am 13.5.2012 gab es eine Bundestagswahl.
Einwohnerzahl in Gelsenkirchen Ende 2012: 257.607 | lt. STATISTA
Wahlberechtigte in Gelsenkirchen am 13.5.2012: 183.455 |
Prozent: 71,36 |
Am 26.9.2021 gab es eine Bundestagswahl.
Einwohnerzahl in Gelsenkirchen Ende 2012: 260.126 | lt. STATISTA
Wahlberechtigte in Gelsenkirchen am 26.9.2021: 168.496
Prozent: 64,77 |
Man sieht also, dass die Einwohnerzahl von Gelsenkirchen in neun Jahren um 2,519 Einwohner wuchs, während die Anzahl der Wahlberechtigten im selben Zeitraum um fast 15.000 sank. Das bedeutet einen Bevölkerungsaustausch von mindestens 17.500 Menschen, dazu kommen noch die Kinder der Zugewanderten, die bekanntlich mehr Kinder in die Welt setzen, als die Deutschen, und die Zugewanderten, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben.
Während die Zahl der Wahlberechtigten in Gelsenkirchen um 6,59 % sank, sank die deutsche Einwohnerzahl in Gelsenkirchen noch etwas mehr.
Lt. GELSENKIRCHENER-GESCHICHTEN.de bzw. GELSENKIRCHEN.de sind die Einwohnerzahlen wieder etwas anders.
| Bevölkerung
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Stand 30. September 2016
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Stand 31. Dezember 2020
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Veränderung in Prozent |
|---|---|---|---|
| Einwohner mit Hauptwohnsitz | 264.790 | 264.933 | 1 % |
| Deutsche | 214.045 | 205.098 | -4,18 % |
| Ausländer | 50.745 | 59.835 | 17,91 % |
| Ausländeranteil in Prozent | 19,2 | 22,6 | 17,1 % |
Also zwischen 2016 und 2020 wuchs lt. dieser Statistik die Einwohnerzahl in Gelsenkirchen um ca. 1 %, während der Anteil der Deutschen um 4,18 % sank, und der Anteil der Ausländer um 17,91 % anstieg.
Deutsche mit Migrationshintergrund sind nicht unter den Ausländern mitgezählt.
Tatsächlich sieht der Ausländeranteil von 22,6 % noch einigermaßen harmlos aus, aber wer Gelsenkirchen besucht, hat eher den Eindruck, dass in dieser Stadt höchstens 20 % Deutsche leben. Man muss nur mal durch die Stadt gehen.
Kein Wunder, dass es schon etliche Studien gab, in denen Gelsenkirchen regelmäßig den letzten Platz belegt hat.
FOCUS 14.12.2022
Reportage aus Deutschlands ärmster Stadt„
Das Schlimmste sind die tobenden Ratten in den Mülltonnen“
Das einst stolze Bergbau-Zentrum Gelsenkirchen kämpft gegen Armut, Arbeitslosigkeit und negative Folgen der Zuwanderung. Mit aller Kraft stemmt sich die Ruhrpott-Stadt, in der Schalke 04 seine Heimat hat, gegen den Abschwung und sein Verlierer-Image.…Armuts-Hochburg Gelsenkirchen: Auf dem letzten Platz
Schon am Nachmittag krabbelt ein Mann, den der Alkohol niedergestreckt hat, auf allen vieren durch die Wartehalle. Vor den Schließfächern schläft ein Obdachloser. Irgendjemand wirft eine Münze in einen Becher, den eine Bettlerin mit klammen Fingern vor ihren Körper hält.
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Die einstige Kohle-Hochburg, deren fleißige Arbeiter den Wirtschaftsmotor der Bundesrepublik lange am Laufen hielten, gilt als „ärmste Stadt Deutschlands“. In einer Studie von 2018, in der die Lebensqualität in allen 401 Städten und Landkreisen bewertet wurde, landete Gelsenkirchen auf dem letzten Platz.
Würde man die gleiche Untersuchung heute noch einmal machen, das Ergebnis dürfte kaum besser ausfallen.
Niedrige Löhne, viele Arbeitlose, geringe Lebenserwartung
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- Nirgendwo sonst verdienen Menschen so wenig wie hier, durchschnittlich 17.015 Euro im Jahr.
- In kaum einer anderen Stadt gibt es so viele Arbeitslose und Leute, die von Sozialleistungen leben.
- 41,5 Prozent aller Kinder unter 18 Jahren leben in Familien, die Hartz IV beziehen – deutschlandweit trauriger Rekord.
- Fast in keiner Stadt ist die Lebenserwartung mit 82,2 Jahren (Frauen) und 76,8 (Männer) so niedrig; in Starnberg werden Frauen rund dreieinhalb Jahre älter, Männer bis zu vier Jahre.
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Gelsenkirchen muss im Jahr mehr als 600 Millionen Euro für Transferleistungen ausgeben. Das ist fast die Hälfte des gesamten Geldes, das der Stadt im Haushalt zur Verfügung steht. Zu den größten Posten zählen klassische Sozialtransfers:
- 145 Millionen Euro für Hartz-IV-Leistungen,
- 38 Millionen für die Grundsicherung im Alter,
- 14 Millionen für Asylbewerber.
- Hinzu kommen monatlich rund 9,7 Millionen Euro, die Gelsenkirchen für die Bedienung von Altschulden in Höhe von 1,55 Milliarden Euro aufbringen muss.
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Mehr als 50.000 Menschen beziehen Hartz IV oder Sozialgeld
- Rund 18.600 Frauen und Männer in Gelsenkirchen sind derzeit arbeitslos.
- Mit 14,1 Prozent ist die Arbeitslosenquote nahezu dreimal so hoch wie im Bundes-Durchschnitt (5,3 Prozent).
- 50.400 Menschen beziehen Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Sozialgeld, darunter 16.000 Kinder unter 15 Jahren. Damit leben fast 20 Prozent aller Einwohner Gelsenkirchens von Hartz IV.
- Von den 34.400 Menschen (erwerbsfähige Leistungsberechtigte), die eigentlich arbeiten könnten, aber trotzdem Hartz-IV-Leistungen bekommen, sind 17.000 Ausländer, also die Hälfte.
- Die Quote der arbeitslosen Ausländer in Gelsenkirchen liegt bei rund 46 Prozent.
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Das Klischee, niemand ziehe freiwillig nach Gelsenkirchen, stimmt längst nicht mehr. Vielen Zuwanderern gerade aus Osteuropa gilt die nordrhein-westfälische Stadt als eine Art Sehnsuchtsort. Ein Paradies, in dem es sich gut und gerne leben lässt.Armes Gelsenkirchen zieht Menschen aus Südosteuropa an
- Von den 295.000 Einwohnern Gelsenkirchens haben 83.000 einen Migrationshintergrund. Hinzu kommen rund 65.000 Ausländer aus mehr als 130 Staaten.
- In den Kindertageseinrichtungen Gelsenkirchens liegt der Anteil von Kindern zwischen drei und sechs Jahren mit Migrationshintergrund bei 55,7 Prozent.
- In den Grundschulen Gelsenkirchens beträgt der Anteil ausländischer Kinder fast 32 Prozent.
- In den Hauptschulen liegt der Anteil ausländischer Kinder sogar bei 58 Prozent, in Gymnasien dagegen bei 13,5 Prozent.
Gelsenkirchen gilt seit jeher als Multikulti-Stadt, als ein Ort, der mit Zuwanderern reichlich Erfahrung gemacht hat, gute wie schlechte. In Rotthausen, dem südlichsten Stadtteil Gelsenkirchens, lässt sich die Entwicklung der letzten Jahre gut beobachten. Etwa 14.000 Einwohner leben hier, gut 30 Prozent sind Ausländer.
Wikipedia führt das Viertel als „Beispiel für gelungene Integrationspolitik und das friedliche Zusammenleben der Kulturen“. In Polizeiberichten und behördlichen Protokollen liest sich das mitunter etwas anders.
Gelsenkirchen-Rotthausen: Zustände, die sprachlos machen
Erst vor wenigen Wochen durchkämmten Mitarbeiter der Stadt mehrere Häuser, nachdem sich Nachbarn wieder einmal beschwert hatten. Die Funde der Ordnungshüter waren beachtlich: illegale Leitungen, über die sich die rumänischen Bewohner kostenlos Strom zapften, katastrophale hygienische Zustände sowie etliche Fälle von Sozialleistungsbetrug.
In einer Wohnung hausten Eltern mit sechs minderjährigen Kindern, darunter ein Säugling. Die Familie war bei den Behörden nicht gemeldet. Zwei schulpflichtige Kinder hatten noch nie eine Schule von innen gesehen. Im Dachgeschoss eines Hauses entdeckten die Beamten kistenweise originalverpackte Kleidung, Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Kosmetika.
Wer durch einige Straßen von Gelsenkirchen-Rotthausen läuft, wird unweigerlich mit Bildern konfrontiert, die von tiefer Armut und Verzweiflung zeugen, aber auch von Gewalt und Kriminalität. Eingeschlagene Türen, zerdepperte Scheiben, bergeweise Sperrmüll vor den Haustüren. An den Briefkästen der Bewohner kleben handgeschriebene Zettel mit osteuropäischen Nachnamen.
Anwohner: „Das Schlimmste ist das Geräusch der Ratten“
Staplerfahrer Matthias Hebebrand, der seit fast 10 Jahren in diesem Viertel lebt, kommt gerade von der Arbeit. Nachdem er die geleerte Mülltonne von der Straße gezogen hat, zeigt er auf ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus. Roter Backstein, zertrümmerte Haustür, zugemüllter Hinterhof. „Es ist kaum auszuhalten“, sagte er.
Hebebrand berichtet von ständigem Lärm und Geschrei, von Grillabenden, bei denen die Bewohner Plastikmüll verbrennen und von halbwüchsigen Kindern, die die Straßen unsicher machten und sich absolut respektlos gegenüber deutschen Bewohnern zeigten. Aus den Fenstern flogen schon Matratzen, Elektrogeräte, Essensreste, sogar benutzte Babywindeln.
„Das Schlimmste ist das Geräusch der tobenden Ratten, die in die Mülltonnen klettern und dann wieder rauskommen wollen“, sagt der 45-Jährige. Das Kratzen an den Innenwänden, das Klappern der Deckel, „wirklich furchtbar“.
Neuankömmlinge aus Rumänien: „Wir wollen hier leben“
Die Stadt habe das Problemhaus schon mal geräumt, doch es habe nicht lange gedauert, bis sich dort neue Großfamilien breitgemacht hätten.
Während Hebebrand über die Verhältnisse in seinem Viertel spricht, sind bereits neue Nachbarn im Anmarsch. An einer Straßenecke hocken sechs Neuankömmlinge – drei Frauen, drei Männer – zwischen Rollkoffern und vollgestopften Tüten.
Auf die Frage des Reporters, was sie in Gelsenkirchen wollen, antwortet eine der Frauen: „Wir wollen hier leben“.
TEIL1 (VOLLER TEXT)
TEIL 2
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